Balkan Konferenz 2015 - Frauen, Frieden und Sicherheit

Die Konferenz steht unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments

Freiburg, 2.- 4. November 2015

 

Internationale Konferenz

„Frauen, Frieden und Sicherheit auf dem Balkan“

 

Die von 2. bis 4. November 2015 in Freiburg von Anwältinnen ohne Grenzen e.V. in Kooperation mit UN WOMAN Nationales Komitee Deutschland e.V. organisierte internationale Konferenz „Frauen, Frieden und Sicherheit auf dem Balkan“, die unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments stand, ist erfolgreich zu Ende gegangen.

Noch vor 20 Jahren war die Region des ehemaligen Jugoslawien von Krieg, Vertreibung und Zerstörung geprägt. 

 

Tausende von Frauen wurden Opfer sexualisierter Gewalt. Der Krieg wurde gestoppt, aber tatsächliche Sicherheit auf dem Balkan erfordert nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch die Abschaffung ungerechter sozialer Verhältnisse, ungleiche Geschlechterverhältnisse eingeschlossen.

 

Die Konferenz deckt sich mit dem begonnenen Prozess der Annäherung der Balkanstaaten an die EU. Ihr Ziel war auch den Versöhnungsprozess durch einen offenen und vertrauensvollen Dialog der dort lebenden Völkergruppen zu fördern. Neben angesehenen Vertreter_nnen aus Politik, Justiz und Gesellschaft der sieben Nachfolgestaaten Jugoslawiens: Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Kroatien, FJR Mazedonien, Serbien, Montenegro und Slowenien nahmen an der Konferenz namhafte Referent_nnen aus dem deutschsprachigen Raum teil: 

  • Dr. Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale e.V.,Preisträgerin des Alternativen Nobelpreis
  • Karin Nordmeyer, Vorsitzende, sowie Bettina Metz-Rolshausen, Mitglied von UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V., Partnerorganisation
  • Claudia Hoefer, Juristin, Teamleiterin und Frauenbeauftragte am Jugoslawien Tribunal in Den Haag
  • Andreas Zumach, Journalist aus Genf und UN Berichterstatter während des Jugoslawien Krieges
  • Frauke Lisa Seidensticker, Vorsitzende des Verwaltungsrates der Europäischen Grundrechteagentur
  • Dr. Marko Kmezić, LL.M., Zentrum für Südosteuropastudien, Universität GraZ   

 

Pressebeiträge Badische ZeitungEvangelisch.de 

Lesebriefe 

KONFERENZ ERGEBNISSE

 

Die Konferenz war gegliedert in drei thematischen Schwerpunkten, die sich einerseits mit den Prozessen, die in der Vergangenheit von Bedeutung waren, befassen und unter dem Oberbegriff - GESTERN - gestellt wurden. Dem Prinzip folgend standen unter dem Titel- HEUTE - Gegenwartsthemen im Fokus der Betrachung und zukunftsgewandt erfolgten die Diskussionnen von - MORGEN: 

 

Die zentralen Themen aus dem „Gestern“, die massenhaften Vergewal-tigungen in den Kriegen zwischen 1992-95 in Bosnien und 1999 im Kosovo machten deutlich, dass weiterhin sehr dringend nachhaltige Hilfsangebote für Frauen und Männer mit sexualisierter Gewalterfahrung benötigt werden. 

 

Der heutigen Situation des Balkans widmeten sich am zweiten Tag namhafte Referentinnen aus allen Ländern des westlichen Balkans: Von der Studentin der Philosophischen Fakultät, einer Roma Frau, die das Zentrum für Roma-Initiativen in Montenegro leitet, über eine kosovarische Frauenaktivistin und Direktorin des Frauennetzwerkes Kosovo, die die Friedensaktivitäten vorantreibt sowie die Direktorin des Alternativen TV Senders in dem serbischen Teil von Bosnien-Herzegowina, bis hin zur stellvertretenden Ministerin des Ministeriums für Flüchtlinge in Bosnien und Herzegowina und einer Professorin des Verfassungsrechtes an der Universität Skopje, die auch die stellvertretende Parlaments-präsidentin Makedoniens ist. 

 

Anwesend waren außerdem Fachkräfte aus dem juristischen Metier: Rechtsanwältinnen, Richterinnen, Politikerinnen und Managerinnen. Alle eingeladenen Frauen zeigten ihren Willen, mit ihrer Kompetenz und ihrer Entschlossenheit, die patriarchal strukturierte Gesellschaft ändern zu wollen, die es Frauen mehrfach erschwert, gleichberechtigt wichtige Positionen in Gesellschaft und Politik einzunehmen und mitzuentscheiden. Nicht nur Journalistinnen sind in ihrem Arbeitsalltag üblen Beschimpfungen und anderen Diskriminierungen ausgesetzt. Besonders erschreckend sei die Lage von Minderheiten und insbesondere Roma Frauen, die massiv Menschenrechtsverletzungen erleiden. Insbesondere wurde die Problematik durch die Verletzung von Kinderrechten bei Mädchen hervorgehoben, die duch sogennante "Kinderehen" verkauft werden und sexuellen Missbrauch ausgesetzt sind.

 

Die Lohnungleichheiten, obwohl immer noch mit ca 7% weit unter dem EU- und Deutschland- Durchschnitt, betreffen Frauen des Westlichen Balkans in fast allen Berufen. Führende Positionen in Wirtschaft, Stellen in der Lehre und Forschung an den Universitäten sowie die Partizipation in der Politik, seien für Frauen sehr schwer zugänglich. Der Grund dafür rührt weniger aus einem Mangel an Bildung und der Kompetenz der Frauen, sondern liege an der Macht der von Männern dominierter Gesellschaft.

 

Aus den Erkenntnissen der Frauenorganisationen verschiedener Länder, die untereinander gut vernetzt und sich einig sind, geht hervor, dass die Quotenregelungen ein wichtiger Schritt bei der Lösung dieser Problematik wäre.

 

Am dritten Tag - mit einem Ausblick auf das „Morgen“ - wurde festgestellt, dass die zentrale Frauenrechtskonvention auf UN Ebene, das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, englisch abgekürzt als CEDAW (Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination Against Womenals) bekannt, sowie die UN-Resolution 1325 und weitere bestehende Gesetze seit langem vorliegen. Einige gesetzliche Grundlagen wurden gerade als Folge der massenhaften Vergewaltigungen vor allem in Bosnien neu aufgestellt. Die Gesetzeslage wurde in den meisten Ländern angepasst, es mangelt jedoch an der konsequenten Umsetzung dieser juristischen Vorgaben.

 

Es wurde darauf hingewiesen, dass die Umsetzung der UN-Resolution 1325 keine Frauensache sei, sondern auch von Männern mit durchgesetzt werden müsse. Die dringlichste Forderung ist, die gendersensiblen Themen zu der notwendigen Versöhnungsarbeit auf der bevorstehenden Konferenz der westlichen Balkanländer 2016 in Paris zentral zu platzieren.

 

Die aus der Konferenz resultierenden weiteren Forderungen werden sowohl an das Europäische Parlament und den Europarat, als auch an die nationalen Regierungen zur Kenntnis gegeben.

 

Empfang bei dem Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon

 

Im Rahmen der Konferenz empfing Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon Vertreterinnen von Anwältinnen ohne Grenzen und die Teilnehmenden der Konferenz im Freiburger Rathaus. Der Oberbürgermeister hob hervor, dass es ihn besonders freut, dass die Konferenz hier in Freiburg stattfindet und er die Teilnehmenden, insbesondere die Frauen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens, begrüßen kann. Konferenzen dieser Art wären von hoher Bedeutung, um die Notwendigkeit der Partizipation von Frauen in allen gesellschaftlich-politischen Prozessen zu verdeutlichen, damit Geschlechtergerchtigkeit insgesamt gelingen kann und Versöhnungsprozesse befördert werden. Dass das gelingen kann, bezeugen die Frauen aus Bosnien und Herzegowina, Slowenien, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Kosovo und Monte Negro, die nach Freiburg angereist sind.

FINAL_Balkan_Konf_2015_Brochure.pdf
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Einen herzlichen Dank für die Spende an:

OFF- Obdach für Frauen, Sparkasse Freiburg, Kant-Stiftung, Rechtsanwältinnen Dr. Barbara Meyer, Beatrice Schrade sowie die RA Kanzlei Hegarhaus Freiburg.

Die Konferenz wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Centrum für internationale Migration und Entwicklung gefördert.